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Internationaler Frauentag 2004

Live von der Zugspitze

Sonntag, 7. März, Zugspitze

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Auf diesen Seiten finden Sie Stimmen & Stimmungen sowie Bilder & Berichte zum und vom FrauenGipfelTreffen auf Deutschlands höchstem Berg.

Internationaler Frauentag 2004
Raus aus der Talsohle

Hohe Ziele verfolgte die letsnetz-Aktion anlässlich des diesjährigen Weltfrauentags: Auf Deutschlands höchstem Berg machten Frauen aus Bayern und Tirol beim FrauenGipfelTreffen aufmerksam auf den bundesweiten Sozialabbau.

Sonntag morgen, 7, März: In aller Früh machten sich die Teilnehmerinnen auf den Weg zur Zugspitze: Aus München, Augsburg, Kempten, aber auch von der Tiroler Seite her rollten Busse Richtung Garmisch. Mit dabei sind nicht nur ganz junge Gipfelstürmerinnen, sondern auch zwei sehr alte Damen: Hilde Mühlhaüser, 83, und Charlotte Rauberger, 84, aus Augsburg - sowie ein Mann. Oben auf 2962 Metern Höhe wurden alle erst einmal begrüßt von den tiefen Tönen der fünf  Alphornbläserinnen aus Garmisch. Es folgte der viel beklatschte Auftritt und einer der Höhepunkte der Veranstaltung: Die Kabarettistin Maria Peschek zeigte einige Ausschnitten aus ihrem Programm. Auch sie hat so ihre Erfahrungen mit der Rollenverteilung zwischen Mann und Frau gemacht, wie sie im Anschluss erzählte. Zum Beispiel, kann sie in der Zeitung lesen, dass sich ihr Mann "rührend" um die Kinder kümmere, wenn sie bei einem Auftritt ist. Umgekehrt, so Peschek, habe sie das allerdings noch nie gehört.

Beim anschließenden Gipfeltalk, den die Journalistin Inge Bell leitete, waren die ernsten Frauenthemen angesagt: Warum es Frauen beispielsweise immer noch schwer haben, Spitzenpositionen in Politik und Wirtschaft zu erklimmen. "Man konnte gerade wieder eindrucksvoll bei der Kür der Bundespräsidentenkandidaten beobachten, dass Frauen nur aufgestellt werden, wenn sie ohnehin chancenlos sind", sagte Lydia Dietrich, Münchner Stadträtin von Bündnis 90/Die Grünen und stellvertretende Vorsitzende der Münchner Frauenkommission. Die immer noch schlechten Aufstiegschancen für Frauen beklagten auch andere Teilnehmerinnen. "Frauen erreichen inzwischen zwar schon bestimmte Positionen im mittleren Management, aber irgendwann stoßen sie dann an Grenzen - obwohl sie hochqualifiziert und tough sind", hat Tamara OByrne beobachtet, sie ist Personalreferentin und Funktionsträgerin verschiedener österreichischer Organisationen. Das FrauenGipfelTreffen hat deshalb für Mitveranstalterin Ragnhild Esswein-Koppen von der Gleichstellungsstelle des Landratsamts München auch Symbolcharakter: "Frauen haben immer schon Höchstleistungen vollbracht, nur sind diese nicht immer gewürdigt worden."

Das andere große Thema des Tages waren die Arbeitsplätze von geringfügig Beschäftigten - und die Folgen der jüngsten Gesetzesänderungen. "Wir beobachten, dass im Bereich der Gebäudereinigung sozialversicherungspflichtige Stellen in Mini-Jobs aufgesplittet werden", berichtete die Münchner Gewerkschaftssekretärin Gundi Tillmann, "und Mini-Jobs haben leider Mini-Renten zur Folge". Friedel Schreyögg, Leiterin der Münchner Gleichstellungsstelle, fordert daher ein Ende es Sozialabbaus: "Was hier gerade passiert, trifft vor allem wieder die Frauen."

Bei der anschließenden Abstimmung konnten die Teilnehmerinnen entscheiden, welche frauenpolitischen Themen ihnen im Moment am meisten unter den Nägeln brennen: Mini-Jobs & Mini-Renten sowie Aufstieg & Anerkennung waren die Spitzenreiter. Beim virtuellen lets netz-Gipfel unter www.letsnetz2004.de im Internet, bei dem sich mehr als 5000 Menschen beteiligten, zeigte sich dasselbe Meinungsbild: 46 Prozent sprechen sich für einflussreichere Positionen von Frauen aus, rund 57 Prozent gegen die sozialen Einschnitte.

Die bayerischen kommunalen Gleichstellungsstellen haben sich deshalb vorgenommen, sich in Zukunft verstärkt um diese Themenbereiche kümmern zu wollen. "Wir wollen zeigen, dass auch Frauen Seilschaften und Netzwerke bilden können", sagte Ute Holzmann, von der Gleichstellungsstelle des Landratsamtes Weilheim-Schongau. Die Organisatorinnen Ragnhild Esswein-Koppen, Ute Holzmann und Inge Höhne von der Münchner Gleichstellungsstelle bedankten sich zum Abschluss bei allen engagierten Mitmacherinnen. Für lets netz-Initiatorin Inge Höhne steht fest: "An unserem lets netz-Gipfel auf der Zugspitze kann man wieder sehen, dass der Internationale Frauentag nicht tot und auch nicht tot zu schweigen ist. Wir wollen weiterhin mit pfiffigen Ideen auf diesen traditionsreichen Tag aufmerksam machen." Der Ausklang fand dann 400 Meter weiter unten im Restaurant "Sonn alpin" statt. Leider ohne Sonne.